Diskussion: Wie Threads versucht politische Posts zu dodgen

Aktuell erregt ein Thread Adam Mosseris die Gemüter. Der Chef von Instagram und Threads hat in einem Post angedeutet, dass Meta die Art und Weise ändere, wie politische Inhalte von Accounts, denen man nicht folgt, ausgespielt werden.

 

Post by @mosseri
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Der Vorwurf: Da alles politisch sei, ist das im Grunde der Freifahrtschein alles anders zu behandeln. Das könnte dann auch Gruppen betreffen, die mehr Repräsentation gut vertragen können.

 

Post by @turingoracle
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Aber ist das so? Mosseri sagt in seinem Post: „These recommondations updates apply to public accounts and only in places where we recommend content.“ Zu Deutsch: Nur dort, wo Meta aktive Empfehlungen auf Instagram und Threads abgibt wem man Folgen könnte, oder welche Inhalte interessant sein könnten, kommt diese Änderung zu Stande. Das sind natürlich die Stellen, die einem Netzwerk seine Viralität verleihen. Es werden Inhalte empfohlen, die Leute interessant finden könnten, immer mehr folgen diesen Accounts oder reagieren auf diese Inhalte, also wird es noch mehr empfohlen, usw. Das soll nun also für politische Inhalte eingeschränkt werden. Die Sichtbarkeit innerhalb des Netzwerkes soll dies nicht betreffen. Die „organische“ Reichweite bleibt. Gibt es denn ein Recht auf Viralität? Ich glaube nicht.

Aber was meint politisch hier?

Das ist das eigentliche Problem. Denn politisch kann natürlich alles sein, abhängig vom gesellschaftlichen Kontext. Wären wir eine aufgeklärte Gesellschaft, dann wären Trans-Menschen einfach ganz normale Bürger. In meinen Augen sind sie das und da sollte es nichts politisches damit auf sich haben. Aber für konservative Wählergruppen ist schon das politisch, ganz zu schweigen von der zu verbietenden Nazipartei #FuckAfd. Und so weiter.

Wie soll ein Netzwerk Inhalte moderieren?

Jetzt lese ich Posts, in denen kritisiert wird, dass Meta politische Inhalte auf seinen Plattformen Instagram und Threads nicht anders moderieren sollte, weil sie politisch sind. Warum Meta das gerade jetzt macht, ist klar: Es stehen die Wahlen in den USA an. Sie müssen jetzt zumindest so tun, als hätten sie alles dafür getan, dass sie nicht Schuld daran haben, wenn doch Trump gewählt wird. Ihre Strategie ist also Überregulierung statt zu wenig Regulierung.

Ich bin da ehrlich: Finde ich besser, als zu wenig Regulierung. Wir hatten in der Vergangenheit bisher nicht das Problem, dass zu viel gefiltert wurde. (Das ist zwar noch etwas komplizierter, weil natürlich schon auch Content gefiltert wird und wurde, der völlig unproblematisch ist. Das liegt aber eher an dem Ansatz unbedingt alles automatisch machen zu wollen.)

Das Meta nicht das einzige Netzwerk ist, dass sich mit der Problematik beschäftigt, zeigten die Aktivitäten OpenAIs ihre KIs zu „demokratisieren“. Was für ein Unwort im Bezug auf eine KI! Egal. Sie tun das, um zu zeigen: Wir haben es versucht. Sie haben zumindest zugegeben, dass sie teilweise gescheitert sind. Die Lösung hier wäre übrigens, sich nicht als Sender, sondern als Bibliothekar zu platzieren. Eine Diskussion für einen anderen Blogpost. Ein Netzwerk komplett unter eine Neutralität zu stellen und so zu tun, als wären sie nicht für Inhalte verantwortlich, auch da sind wir denke ich längst drüber hinweg. Dafür sind Netzwerke zu einflussreich.

Die wichtige Frage ist aber die: Wie sollte ein Netzwerk Inhalte moderieren? Dass Inhalte moderiert werden müssen, ist ja mittlerweile unbestreitbar, auch wenn X sich alle Mühe gibt einen anderen Anschein zu geben. Ich hoffe, sie werden bald den Regulierungshammer der EU zu spüren bekommen. Auch wenns auch hier nicht einfach ist.

Das Problem ist aber auch: Das ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen und wir haben aktuell keine Handhabe zu erzwingen, wie sie ihre Inhalte auf ihrer Plattform gewichten. Wenn sich das innerhalb demokratischer, menschlicher Grenzen bewegt, können sie tun was sie wollen. Also werden manchmal Naziaccounts suspendiert, ein bisschen Kinderpornographie entfernt und Hassrede gelöscht.

Uns muss aber völlig klar sein, dass Meta innerhalb dieses Korsetts machen können was sie wollen. Das mag uns nicht gefallen. Es mag keinen Sinn ergeben, aus verschiedenen Gründen. Aber es ist egal. Denn egal wie sie es moderieren, es wird bei der Größe, die Metas Netzwerke haben, immer Tendenzen geben. Es ist eigentlich unmöglich eine Contentplattform dieser Größe gut zu moderieren.

Was bedeutet das nun?

Wir haben Handlungsspielraum. Wir können das Netzwerk wechseln. Mit Bluesky und Mastodon stehen zwei Netzwerke zur Verfügung, die kleiner sind und teilweise sogar harsch moderiert werden, wenn man sich manche Mastodon-Instanzen anschaut. Wer das möchte, sollte dort hin gehen.

Ich persönlich habe noch einen anderen Vorschlag: Wir sollten Social Media Plattformen nicht wie Plattformen, sondern als die redaktionellen Produkte regulieren, die sie sind. Wieso gelten für deutsche Redaktionen andere Regeln wie für Social Media Plattformen, obwohl sie mittlerweile einflussreicher sind mit ihren Inhalten? Ich sehe kein Argument mehr, warum wir das nicht so tun sollten. Weil das Netzwerk zu groß ist? Wenn ihr das denkt, übernehmt ihr das Narrativ der großen Netzwerke. Wenn sie dafür zu groß sind, ist das ihr Problem.

Nachtrag vom 13. Februar: So wie es aussieht, testet Meta wohl in den USA ein Feature, das sie „Todays Topics“ nennen. Politische Themen sollen darin wohl vorkommen, da es kein individualisiertes Feature sei. Quelle: heise.de

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