Auf der diesjährigen Next Level Conference halte hielt ich zwei Workshops zum Thema Streaming. Für die Teilnehmer findet sich hier eine Übersicht über alle von mir besprochenen Aspekte, Links zu den Plattformen und zur Software, sowie Zusammenfassungen und Übersichten. Für den regulären und am Streaming interessierten Leser dieses Blogs mag das eine praktische Übersicht sein.

Warum kann ich etwas zu Streaming sagen?

Mit NERDHUB habe ich über zwei Jahre lang Erfahrung im Streaming von Events gesammelt. Über 20 gestreamte Veranstaltungen machen aus mir einen Experten für kleine bis mittlere Veranstaltungen mit maximal zwei Kameras. Mein Ansatz: Gut, schnell und interaktiv.

Über was es hier nicht geht.

Hier geht es nicht um E-Learning Plattformen und MOOCs.

Die Workshops

Workshop “Event-Streaming leicht gemacht”

Zusammenfassung: Wie kann ich meine Veranstaltung mit einfachsten Mitteln selbst im Netz streamen? Meatup, BarCamp oder Konferenz, ob als Teilnehmer oder Veranstalter: In diesem Workshop erklärt euch Droid Boy die breite Palette an Streaming-Möglichkeiten anhand verschiedener Veranstaltungsformate. Welche Hardware brauche ich? Wieviel Netz brauche ich? Welche rechtlichen Stolpersteine gibt es? Streaming wurde in den letzten Jahren zwar immer einfacher. Eine gute Vorbereitung ist dennoch wichtig.

Impulse zu Beginn:

  • Je größer die Veranstaltung, desto besser sollte der Stream sein.
  • Konzept für den Inhalt: Was will ich streamen? Oder reicht eine Dokumentation?
  • Das Wichtigste an einem Stream ist der Ton. Mehr als die Hälfte hören einfach nur zu.
  • Ein Stream kann interaktiv und social sein. Bist du bereit für Kommunikation?
  • Spontan streamen klappt selten oder dauert sehr lange. Es gilt: Testen, testen, testen! Selbst Persicope oder Meerkat sollte man vorher einmal ausprobiert haben.

Streaming ist ein komplexer Prozess und technisch anspruchsvoll. Für das erste Verständnis der Umsetzung eines Streams, empfehle ich diese Gliederung:

Der Streaming Prozess

INPUT

Video und Audio erfassen

Video- und Audio-Signale müssen digital verfügbar gemacht werden, z.B. durch: Kameras, Mikrofone, Screengrabber. Wer bei der Auswahl der Location sich auch Gedanken über Beleuchtung macht, hat später das bessere Bild. Manche Veranstaltungslocations haben bereits Sound-System eingebaut. Hier ist die Frage: Ist es möglich den Ton für den Stream abzuzapfen?

PROCESSING

Signalverarbeitung und Codierung

Das Video und Audiomaterial wird in einem Computer mit Software zusammengeführt, bearbeitet und ins Netz weitergegeben. Je besser der Computer, desto höher aufgelöst kann der Stream sein, desto mehr Effekte, mehr Kameras usw kann der Computer verarbeiten.

OUTPUT

Distribution

Der Stream wird nach der Verarbeitung über eine Plattform wie zum Beispiel YouTube, Twitch oder Livestream an die Zuschauer weitergegeben. Für eine zuverlässige Übertragung wird eine stabile Netzverbindung benötigt.

Gut zu wissen: Apps wie Periscope oder stre.am verbinden Input, Processing und Output in einer App.

 

Faktoren beim Event-Streaming:

Egal ob Meetup, BarCamp oder Konferenz: Wer sendet, sendet Inhalte. Und man muss sich fragen: Wer würde sich das anschauen? Was muss ich tun, damit die Inhalte gut rüberkommen? Und wie komme ich an meine Zuschauer? Wer gut über Social Media vernetzt ist, kann zumindest die letzte Frage leicht beantworten. Und wer vorher einen Stream ankündigt und regelmäßig streamt, sorgt auch dafür, das mehr geschaut wird.

Übrigens gilt auch hier: Content is king! Ohne gute Inhalte ist auch der technisch perfekteste Stream unnötig.

Die Veranstaltungslocation kann wunderschön sein. Wenn es dort kein Internet gibt – egal ob Mobil oder über Festnetz – kann maximal aufgezeichnet werden, was im Übrigen ein guter Fallback für jeden Stream ist, wenn der Stream, aus welchem Grund auch immer, abbricht. Wer parallel aufzeichnet, kann im Notfall später ein Video zur Verfügung stellen.

Je nachdem, in welcher Qualität man streamt, sollte man über mindestens 1 Mbit/s Upload-Geschwindigkeit verfügen. Wer nebenbei noch chattet oder man sich nicht alleine im Netz befindet, braucht wesentlich mehr.

Wer über Persicope oder Meerkat streamt braucht über WLAN etwas weniger. Wer über seinen Mobil-Provider streamt braucht wenigstens HSPA, besser LTE. Und einen sehr guten Datenplan! Faustregel: 10  Minuten = 50 MB.

Für ein kleines Meetup oder ein spontaner Workshop reicht die in einem Laptop verbaute Kamera und Mikrofon. Wer häufiger streamt, sollte aber auch hier auf externe Hardware setzen: Eine gute USB Kamera gibt es ab 35 €, ein Mikrofon schon ab 100 €. Bei einer teureren Webcam ist oft schon ein Stereo Mikrofon verbaut. Es gilt aber: Der Ton ist wichtiger als das Bild. Darum: Besser in Audio investieren, eine Webcam tut es für den Anfang auch.

Bei Hardware gilt: Die Hardware wächst mit den Bedürfnissen. Lieber klein und günstig anfangen und verstehen, was gebraucht wird, wie sich in Unkosten stürzen. Eine Grenze nach oben gibt es nicht. Empfehlung: Austausch in Foren.

Ist mein Laptop gut genug für einen Livestream? 
Stream in HD (720p) ab i3 Prozessor möglich.
Stream in Full HD (1080p) ab i5 Prozessor möglich.

Die Software fügt Ton und Bild zusammen, legt Bauchbinden drüber und sendet den fertigen Stream an Plattformen wie YouTube, Twitch oder Ustream. Wie bei der Hardware gibt es viele Möglichkeiten. Für Einsteiger oder einfache Streamings mit wenigen Quellen eignet sich hervorragend Open Broadcaster Software. Die Software ist kostenlos, Open Source, leicht zu konfigurieren, läuft auf jedem System, verfügt über zahlreiche Erweiterungen und eine sehr aktive Community. Kurz: Der perfekte Einstieg!

Google Hangout on Air bietet als Plattform auch eine Weboberfläche. Es gibt zwar weniger Features, dafür schnell nach der Installation eines Browser-Plugins nutzbar.

Periscope oder Meerkat liefern mit ihrer App die Software dazu und man muss sich um fast gar nichts kümmern. Overlays oder verschiedene Kameraperspektiven sind nicht möglich. Dafür ist fast immer sehr schnell ein Livestream verfügbar, da man das Smartphone stets dabei hat.

Es gehört zum guten Ton unter Livestreamern die Teilnehmer eines Events vorher über einen Livestream zu informieren. So können sich die Teilnehmer darauf einstellen und im besten Fall auch zu Hause bleiben. Denn auch beim Streaming gilt das Persönlichkeitsrecht. Ebenso wie das Urheberrecht. Darum muss vor der Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material stets eine Lizenz vor dem Stream eingeholt werden. Oder man verwendet offene Materialien, die z.B. unter Creative Commons stehen.

Tipp: Tauchen Kinder im Stream auf, bedarf es der schriftlichen Genehmigung der Eltern, wenn diese nicht dabei sind. Was auch für Fotografen von Events gilt, gilt auch hier: Kinder schützen und möglichst nicht abbilden.

Lesetipp: Livestreaming und das Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht und die Sendelizenz

An zwei Beispielen möchte ich jetzt die Nutzung verschiedener Konfigurationen verdeutlichen.

Beispiel 1: Der Vortragsabend

Situation

Eine Vortragsabend mit 35 Gästen und 3 Speaker. Findet monatlich statt und soll erstmalig gestreamt werden. Location: 1 Raum mit Beamer, eigene Soundanlage, 50 Mbit/s synchrones Internet verfügbar.

Vorbereitung

Internet: Da 50 Mbits Upstream kein Problem. Ton: Abnahme über XLR möglich. Haben Redner Slides? Vorher schicken lassen. Wichtig: Wo baue ich den Laptop auf? Location prüfen und Plan machen. Aufbauzeit: 1 Stunde, also circa 2 Stunden vor Streamstart anfangen.

Video

Logitech Full-HD Webcam auf einem Stativ, USB Verlängerungskabel 4m, kein Operator.

Audio

Wir greifen den Ton via XLR Kabel vom Mischpult ab und speisen den in das eigene USB-Mischpult. Via USB in den Laptop.

Slides

Slides werden vom selben Laptop gesteuert, von dem auch der Stream ausgeht. Achtung: Habe ich genug USB Ports für den Switcher? Entfernung testen!

Software

Als Software wird OBS verwendet. Ton: USB-Mischpult. Video: Logitech-Webcam. Slides: Werden über den erweiterten Bildschirm auf den Beamer gelegt und gleichzeitig als weitere Quelle in OBS hinzugefügt. In OBS angelegte Szenen: Kamera + Bauchbinde + Ton, Slides + Ton. Aufbau eines Teststreams und Probeschauen auf dem Smartphone oder anderem Gerät.

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Aufbau für einen Vortragsabend // CC BY 3.0 DROID BOY

Erläuterung

Bei diesem Beispiel ist es wichtig, das man weiß, das alle Komponenten gut zusammen spielen. Das Setting muss getestet und erprobt sein. Eine Checkliste für die Hardware ist unerlässlich. Kennt man die Location nicht, sollte man vorher unbedingt einen Besuch abstatten und herausfinden: Wo schließe ich meinen Laptop an, wieviel Kabel brauche ich, usw. In diesem Beispiel nicht besprochen: Welche Plattform nehme ich? Das hängt von der Zielgruppe und dem Budget ab.

Links:

 

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Beispiel 2: Der Spontane Stream

Situation

Eine Veranstaltung, für die kein Livestream geplant war. Hier ist es egal, ob du Veranstalter oder Gast bist, denn wir werden das Smartphone nutzen.

Vorbereitung

Ein voller Akku ist dein bester Freund. Nicht vorhersehbar aber immer gut, wenn die Location WLAN hat. Das spart Datenvolumen. Periscope sollte installiert und bereits getestet worden sein.

Und los!

Perisope starten und loslegen. Einfacher kann man nicht streamen. Du bist Moderator und streamst auch? Drück dein Smartphone jemandem in die Hand!

Erläuterung

Bei diesem Beispiel haben wir die beliebteste mobile Streaminganwendung verwendet, um ohne Vorbereitung schnell und unkompliziert live zu gehen. Nachteil: Bild und Ton sind qualitativ schlechter. Allerdings: Ist es der einzige Stream, dann ist es der beste Stream.

Links:

 

Workshop “youtube gaming, steam, twitch und co”

Beschreibung: Im letzten Teil führt schließlich Thomas Riedel ganz praxisnah in das Thema Streaming ein: Schritt für Schritt erklärt er, wie man schnell einen eigenen, stabilen Stream aufbauen kann und was es beim eigenen Broadcasting zu beachten gilt. Mitmachen ist unbedingt erwünscht!

Ich zeige, wie man mit Open Broadcaster Software Minecraft streamt. Dazu betten wir eine Facecam ein und spielen eigene Musik.

 

Weiterführende Informationen

Über die Next Level Conference:

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