Heute startete die SIGINT, die Hackerkonferenz des Chaos Computer Clubs im Rheinland. In der ersten Podiumsdiskussion der Konferenz gaben sich die Vertreter von Spiegel, Zeit und Golem im großen Saal des KOMED ein Stelldichein. Viel Kontroverse war also vom Panel nicht zu erwarten. Was kam war eine Mischung aus einer Erklärung von dem was man eben machen muss, wenn man Geld verdienen will; und: einem Hilferuf.

Adblocker Kampagne – Was hat es gebracht?
Zunächst ging die Moderatorin Geraldine de Bastion auf die konzertierte Aktion mehrerer Online-Nachrichtenportale ein, die die Leser darum bat den Adblocker abzuschalten. Sie wollte wissen wie die Leser reagierten. Jens Ihlenfeld (@Ihlenfeld), Gründer und Chefredakteur vom Golem erklärte, das die Leser durchaus kontrovers reagiert hätten. Dennoch könne die Aktion als Erfolg gewertet werden, da die Quote um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen sei (Bei einer Quote von bis zu 50% nach eigenen Angaben).
Jochen Wegner (@jochejochen), Chefredakteur von Zeit Online, habe sich auf das Schlimmste vorbereitet, was dann aber kam war aber doch weniger schlimm. Die Quote der Adblock-Nutzer habe sich durch die Aktion um ein paar Prozent verringert. Diskussionen habe es zwar mit Lesern gegeben, aber eher wenige, gerademal so viele, das man damit einen halben Tag zu tun hatte.

Anders ist es wohl bei Spiegel Online gelaufen. Katharina Borchert, Geschäftsführerin von Spiegel Online erklärte lakonisch, das es bei ihnen wohl drei Beschwerden mehr als auf Zeit Online gegeben habe, ging dann aber nicht weiter darauf ein. Borchert erläutert lieber, wie es zu der gemeinsamen Aktion kam und bewertet sie als erfolgreich, da sie eine Diskussion ausgelöst habe. Im Nachhinein seien sogar kleinere Verlage auf sie zugekommen.

Werbung für Verständnis für Werbung
In Folge klapperte die Moderatorin die hier zu erwartenden Stichworte ab. Was von Spiegel, Zeit und Golem folgte waren Rechtfertigungen, warum Werbung nun mal sein muss (fehlende Alternative), das es Sicherheitsprobleme durch Scripte gebe (man wäge dort immer ab) und das Tracking Teil von Werbung sei. Was das Tracking angehe würde man eben das tun, was das Minimale sei. Wer aber Werbung im Netz schalte, der müsse mit Tracking leben. Es sei nicht fair diesbezüglich alle über einen Kamm zu scheren.

Keine Werbeverkäufer anwesend
Wer dem Gespräch folgte, der musste feststellen: Da war keiner Anwesend, der inbrünstig für die aktuelle Werbebranche brannte, oder heiss und innig Tracking verteidigte. Vilemehr entstand der Eindruck einer passiven Verteidigungs- und Erklärungsposition, weil man eben finanziell davon abhängig sei und es einfach keine Alternative gibt. Die taz verkaufe erfolgreich Kaffe, man wolle jetzt aber keinen T-Shirt-Shop auf zeit Online machen. Verständlich.
Die Antworten auf die Fragen aus dem Publikum verstärkten schließlich den Eindruck, das Zeit, Spiegel und Golem für jede Hilfe dankbar wären, wenn sie denn bedeuten würden, das sich das Verhältnis von Inhalt und Werbung verändere, wenn Tracking minimiert werden könnte und die Sicherheit für den Leser erhöht werden kann. Schließlich sei das ungünstige Machtverhältnis in der Werbebranche verantwortlich für diese Situation, die man aber nicht brechen könnte.

Hoffnung einer Utopie
Zum Abschluss fragte die Moderatorin nach einem knackigen Satzm der kurz zusammenfasse, wie sich Werbung verändern müsse.  Jochen Wegner sieht die Finanzierung in Zukunft auf vielen Standbeinen, um sich nicht von einzelnen abhängig zu machen. Katharina Borchert sagt im grunde das Gleiche, betont aber, das es, wenn man sich mit Paid Content beschäftige, nie ohne zusätzliche Werbung gehe.

Jens Ihlendfeld hofft auf eine utopische Vorstellung: Diejenigen, für die er eigentlich schreibe, sollten ihn mit Kleinstbeträgen bezahlen können, ohne das der Provider sich einen zu großen Share davon nehme.

golem: Was auf unseren Adblocker-Aufruf folgte
SPON: In eigener Sache: Schalten Sie bitte den Adblocker ab!
ZEIT ONLINE: Suchergebnisse für “adblocker”
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roid Boy: Die Werbung ist kaputt

Die SIGINT geht noch bis Sonntag Abend. Hier ist das Programm.

Die Podiumsdiskussion wurde vom Team der SIGINT aufgezeichnet und steht wenige Wochen nach der Veranstaltung zum Nachschauen bereit. Ich werde euch darauf hinweisen. 

 

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