Wir sind in einer Automatisierungswelle, doch was kommt danach?

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Bild erstellt mit Nano Banana 2. Eine filmische Innenaufnahme einer historischen Maschinenhalle des 19. Jahrhunderts. Eine Reihe menschlicher Arbeiter in periodentypischer Kleidung steht an einem metallenen Fließband und montiert Teile. In der Mitte der Reihe, anstelle eines menschlichen Arbeiters, steht ein moderner Industrieroboterarm, der die gleiche Aufgabe verrichtet. Ein helles Licht von vorne beleuchtet die Szene und wirft lange, ausgeprägte Schatten von Menschen und Roboter auf den unebenen Ziegelboden, wobei der Roboterschatten deutlich erkennbar ist. Eine starke visuelle Metapher für die Transformation der Arbeit und die Evolution von der Industriellen Revolution bis zur modernen Automatisierung und KI.

In der Diskussion um die Folgen Generativer KI zeigt sich ein blinder Fleck: KI, verstanden als die nächste große Automatisierungswelle, vernichte Arbeit. Das stimmt zwar. Wir werden dennoch einen größeren Mangel an Arbeitskräfte haben.

Es ist ein Phänomen: Generell wird davon ausgegangen, dass KI Jobs kosten wird.

Es wird alle treffen. Manche mehr, manche weniger. Aber es ist nur eine Frage der Zeit.

Und am Ende kommt weniger raus. Wovon genau? Arbeit. Die wird ja weg-automatisiert. Macht jetzt die KI. Später auch Roboter. Unterm Strich haben wir also weniger.

Was sollen diese Menschen dann tun?

Doch wenn man sich anschaut was genau passiert, und versucht hinter die Narrative zu schauen, die bedrohlich sind und heilsversprechend zugleich, je nachdem ob man verliert oder profitiert, der wird recht bald feststellen: Es ist sehr viel komplizierter. Denn mit KI wird oft nicht alles, sondern nur ein bestimmter Teil von Arbeit ersetzt. Eine Arbeitsstelle besteht aber aus mehr als nur dem einen Prozess. Er besteht oft darin dafür zu sorgen, dass dieser eine Prozess funktioniert, dass er integriert ist in ein Ökosystem, dass andere davon wissen, dass er besser wird, und so weiter. Dennoch gibt es natürlich den Effekt, dass Arbeit wegfällt. Entwickler verlieren aktuell ihren Job, oder bekommen keine neue Aufträge mehr, weil die gleiche Arbeit von weniger Menschen gemacht werden kann, die aber KI benutzen.

Das nährt den Eindruck als ob es am Ende weniger Arbeit gäbe. Doch das ist der sogenannte Ludditen-Trugschluss. Historisch gesehen gab es nach einer Automatisierungswelle stets mehr Arbeit als zuvor. Hier sind die Gründe dafür:

  • Produktivitäts-, und Einkommenseffekte. Entweder wird etwas billiger, oder es steht mehr Geld zur Verfügung. In beiden Fällen kann mehr ausgegeben werden. Die Nachfrage steigt und damit braucht man mehr Ressourcen um die Nachfrage zu bedienen. Klassisches Beispiel: Webstühle machte denn traditionellen Weber überflüssig, aufgrund der Automatisierung in Fabriken sank der Preis für Klamotten erheblich, was eine ungeheure Nachfrage verursachte, die mehr Produktionskapazitäten erforderte. Die Textilindustrie gehört zu den größten Industrien der Welt und wächst unaufhörlich, obwohl es seit dem einige Automatisierungseffekte gab. Nein: Weil!
  • Komplementarität. Selten werden ganze Berufe ersetzt. Es bleiben Aufgaben wie Überwachung oder Design der Prozesse und diese werden dadurch wichtiger.
  • Neue Sektoren. Fortschritt schafft neue Geschäftsmöglichkeiten, die es vorher nicht gab. Es ist anzunehmen, dass es durch KI eine Explosion an Möglichkeiten geben wird.

Automatisierung bedeutet, dass wir am Ende mehr Arbeit haben.

Zum Nachlesen:

  • David Autor: „Why Are There Still So Many Jobs?“ (2015)
    Er zeigt, dass die Beschäftigungsquote im 20. Jahrhundert trotz massiver Automatisierung stetig gestiegen ist.
  • Gregory, Salomons und Zierahn: „Racing With or Against the Machine?“ (2016)
    Haben herausgefunden, dass die Einsparungseffekte durch die gestiegene Güternachfrage mehr als kompensiert wurde.

Warum es nicht um Fortschritt sondern um Gestaltung geht

Es ist also klar: Nach der Automatisierungswelle wird es mehr Arbeit geben. Und es ist auch klar, dass dieser Prozess nicht völlig reibungslos an uns vorbei gehen wird. Der Geist, die Generative KI und alle ihre Tools, die aus ihre entstehen, sind aus der Flasche und nicht wieder einzufangen. Was bleibt uns am Ende also zu tun?

Es geht darum den Prozess zu gestalten.

Mit folgenden Probleme müssen wir uns beschäftigen:

  • Die Qualifikations-Lücke. Unsere Technologien begünstigen Menschen mit hohen Qualifikation.
  • Verschiebung von Routine zu Interaktion. Es steigt der relative Wert von Aufgaben, die Empathie, soziale Intelligenz und komplexe Kommunikation erfordern.
  • Entkoppelung von Arbeit und Lohn. Obwohl es mehr Arbeit gibt, steigt die Kapitalkonzentration. Die Verteilungsfrage stellt sich. Die Weber bekamen (zunächst) weniger Lohn, obwohl sie produktiver waren. Müssen Roboter steuern zahlen?
  • Reduzierung der Arbeitszeit. Historisch gesehen sinkt die Arbeitszeit, Menschen haben mehr Zeit sich um ihr Ehrenamt zu kümmern oder sich zum Beispiel die Frage zu stellen: Wie können wir Sprache inklusiver gestalten?

Daraus ergeben sich folgende Aktionspunkte:

  • Bildung muss zum zentralen Infrastruktur-Projekt werden. Denn immer mehr Arbeit erfordert hohe fachliche Qualitifikationen. Aber auch für Empathie, soziale Intelligenz und komplexe Kommunikation brauchen wir Bildungsmöglichkeiten. Bildung muss sich wandeln von einmaliger Ausbildung zu lebenslangem Lernen.
  • Die durch die Automatisierung verschonte Arbeit muss aufgewertet werden.
  • Wenn Arbeit und Einkommen entkoppelt werden, brauchen wir andere Modelle, wie zum Beispiel das Bedingungslose Grundeinkommen oder eine Robotersteuer, um das zu finanzieren.

Zusammenfassung: Wir brauchen keine Angst haben, dass uns jemals die Arbeit ausgeht. Die Frage ist nicht, ob es genug zu tun geben wird. Die Frage ist, woher die Leute kommen, die das tun sollen. Mit Blick auf unser Bildungssystem und den Willen der Politik sich mit Bildung zu beschäftigen, besorgt mich das Thema Bildung aktuell mehr, als die Frage ob wir genug Computer haben werden, die KI können. Für die Rechner sorgt die Wirtschaft schon. Um die Bildung müssen wir uns aber selber kümmern.

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