re:publica 2026 – KI Imperium, Enshittification, Social Media, Blogging und humanoide Roboter

16 min read

Wenn ich auf die re:publica gehe, berichte ich darüber. 3 Tage, 1.243 Sprecher:innen auf 27 Bühnen, mit über 30.000 Besuchenden. Ein Meme als Motto, um durchzuhalten. Für Demokrat:innen, die Bock darauf haben, dass es besser werden kann. Hoffnung, nicht Optimismus.

re:publica Nachberichterstattung. Oder: Wie ich versuche einen runden Bericht zu bauen. Der so vielleicht gar nicht möglich ist. Es folgt meine chronologische Erfahrung einer Konferenz, die so groß ist, dass keine Erfahrung mit einer anderen verglichen werden kann. Und darum sind andere Berichte zur re:publica so spannend. Ganz unten findet ihr mein Sammelsurium rp25-Nachberichterstattung.

Meine ganz persönlichen Challenges in diesem Jahr waren zwei. Der Energiehaushalt: Drei Tage durchhalten, um dann am Abend des 3. Tages meinen eigenen Vortrag zu halten. Und: Ein Vortrag über humanoide Roboter fürs Zuhause halten. Auf der re:publica.

04:25 Uhr. Abfahrt Köln, Hauptbahnhof. Schlummerkaffee, minimalistische Präsentationsoptimierungen, Emails. Schläfchen. Schäfchenwolken, blauer Himmel, Einfahrt Berlin. Straßenbahn, obligatorische Handyfotos von der Hauptstadt in der Familiengruppe. Ankunft Station. Hunderte wartende Menschen. Ich weiß ich kann vorbeigehen. Speakerbadge, Gepäckabgabe. Dann schnell durch den Hof, vorbei am Affenfelsen. Entschuldigung, ist hier noch Platz?

Tag 1

10.30 Uhr – Opening.

Eigentlich galt: Kein Opening ohne Johnny Haeusler. Dieses Jahr war es so weit: Das erste Mal ohne Johnny und Tanja. Zwei weniger unter vier Gleichen.

Wer Johnnys Newsletter abonniert hat, wird es schon vor der re:publica gewusst haben. In „Ready to Go“ informierte Johnny relativ knapp darüber, das es nun so weit ist. Die Anteile wurden an Andreas und Markus, die andere Hälfte der re:publica GmbH, verkauft. Man sei jetzt raus. Die TINCON gebe es ja auch noch. Und mal schauen was mit der freien Zeit jetzt so anzufangen ist. Nichts erfahren wir über die Gründe. Die uns auch nicht unbedingt was angehen müssen. Die uns aber interessieren. Denn Johnny und Tanja waren für mich, wie vielleicht für einige von euch auch, langjährige, jahrzehntelange Netzbegleiter, Netzreisebegleiter. Mein Bruder erzählte mir damals von diesen Podcasts. Spreeblick sollte ich hören und lesen. Dann verfiel ich diesen neuen Medien, heute Zentrum meiner Arbeit.

Wenn wir uns heute also dafür interessieren, was jetzt aus den beiden wird, dann darum, sicherzustellen, dass es ihnen gut geht.

Ich erinnere mich an letztes Jahr. Johnny stand, zum letzten Mal wie wir jetzt wissen, mit einer feurigen Rede für die Demokratie auf der Eröffnungsbühne. Wir sind nicht Konsumentinnen und Konsumenten, sondern Gestalterinnen und Gestalter! Die Zukunft wird das Resultat sein von heutigen Entscheidungen! Und wir sind heute hier, um diese Entscheidungen nicht widerspruchslos den Autokraten, Technokraten, Milliardären und Plattformbetreibern dieser Welt zu überlassen!

Das wir heute wissen, dass es das letzte Mal war: Was macht das aus dieser Rede? Wars ein letzter Versuch noch mal mehr zu verändern als man es sowieso schon tat? Der Einfluss der re:publica kann fast nicht überbewertet werden. Und dann ist es doch auch nur ein Event. Es ist nur ein Teil der Gesellschaft, nicht die Gesellschaft. Für uns Netzleute bestimmt eines der wichtigsten, für viele das wichtigste Event. Die re:publica ist nicht gescheitert in ihrer Wirkung, mit ihrer Aufgabe. Sie hat alles gegeben. Und vielleicht sind wir hier doch an einem Punkt angekommen, an dem Veränderung notwendig ist. Irgendwie. Ich habe noch nicht verstanden wie.

Wir hören dieses Jahr also Andreas Gebhardt grüßen, wir singen Never gonna give you up, wir freuen uns, das wir da sind. Es gibt so viel zu tun zu sehen zu besprechen.

Kleiner Jump, weils Thematisch passt: Hier zum Abschluss-Singen waren Johnny und Tanja dann doch wieder mit auf der Bühne. Ich habs verpasst, saß im Zug nach Köln. Wer da war: Was haben sie gesagt? Schreibts doch bitte in die Kommentare 🙂

Die Mainstage ist wie immer rappelvoll. Es kommt ein wenig Bewegung nach der Eröffnung rein, Leute bewegen sich zu anderen Vorträgen oder bleiben sitzen, um die Keynote zu hören. Ich entdecke schon ein paar Bekannte, man grüßt sich. Ich frage meinen bis dato noch unbekannten Sitznachbarn aus. Social Media in einem Industriekonzern, kleines Team. Schon zum zweiten Mal da. Warum noch nicht Mastodon? Es sei ultra aufwändig neue Kanäle mit der komplexen Unternehmens-Struktur durchzubringen.

11.30 Uhr – Opening Keynote: How Silicon Valley is Reshaping the World – via AI

Dass das mit der KI uns allen unter den Nägeln brennt, ist klar. Um das einmal einzufangen, hat das rp-Team eine passende Keynote an den Anfang des Events gestellt. Die US-amerikanische Journalistin Karen Hao (Wikipedia →) präsentierte uns eine Keynote-Version ihres Bestsellers Empire of AI (Wikipedia →) mit einer europäischen Erweiterung. KI-Unternehmen agierten wie Imperien und folgen einem destruktiven Skalierungswesen, der eigentlich nicht nötig sei. Statt die Rakete zu nehmen sollten wir generell eher Fahrräder entwickeln. Gerade in Europa sei Regulierung und eine unabhängige Forschung mit Fokus auf das Gesundheitswesen oder den Klimawandel ein empfehlenswerter Weg.

Ich mag das, weil ich das Narrativ des unendlichen Wachstums als am Ende betrachte. (Ich bin eher für sowas wie eine Donut-Ökonomie →) Je mehr wir diesem Narrativ hinterherjagen, desto mehr Zeit verlieren wir darin an eigenen Narrativen zu arbeiten und bestärken unsere Abhängigkeit. Es kann nur einen Gewinner geben in diesem Spiel, und den hat uneinholbar die USA gewonnen. Let’s move on.

Ein sehr empfehlenswerter Vortrag, perfekt vorgetragen, eindrücklich und kompakt. Wer heute auf Augenhöhe über die Tech-Zukunft Europas mitsprechen möchte, und Künstliche Intelligenz dabei haben will, kommt nicht an Empire of AI vorbei.

YouTube →

Nach der Keynote hatte ich mir keinen Slot gebucht, ließ mich aber von Mika Baumeister zu einem europapolitischen Slot mitnehmen. Ich hatte gute Gründe dieses Panel eher meiden zu wollen.

12.30 Uhr – Cut me loose: Wie der EU der digitale Befreiungsschlag gelingt

Wer sich für Europapolitik interessiert. Ich liste bewusst keine Namen und Titel, um uns zu schonen. Das Tldr: Konservative verhalten sich wie Wirtschaftslobbyisten, die Linken/Grünen überraschen durch Weitsicht, die Professorin gibt wichtige Impulse, und kommt zu wenig zu Wort.

YouTube →

14.00 Uhr – Das verbiete ich dir!!1!1! Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige: erste Fakten statt Bauchgefühl

Nach dem Mittagessen stolpere ich an diesem Panel vorbei und bleibe hängen. Denn es ist voll und auf der Bühne sind spannende Leute. Was mich an diesem Panel aber nervt: Obwohl es um Fakten geht, werden Fakten wie lose Anhaltspunkte behandelt. Die Moderatorin ist viel zu sehr davon eingenommen, dass ein Verbot nix bringt und kämpft da sichtlich damit das deutlich zu machen. Das führt dazu, dass sie sich weniger gut auf ihre Rolle konzentrieren kann. Am Ende bleibts verschwommen, auch wen wir jetzt wissen, dass es Studien gibt. Beeindruckend waren wie so oft die Kommentare der Schüler:innen und Student:innen, die ans Open Mic kamen, die oft klarer sind in ihren Standpunkten und es besser begründen können, wie wir sogenannten Experten. Von dem her kann dieses Panel dennoch Impulse geben.

Leider scheint dieses Panel nicht auf YouTube verfügbar zu sein, ich glaube das liegt daran, dass es die TinCon war.
Dafür empfehle ich euch diesen hier: Offline per Gesetz – Brauchen wir ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche? (YouTube →)

15.00 Uhr – On Enshittification – and what can be done about it

Zwei Bücher habe ich von Cory Doctorow gelesen. Daher war das Thema und die Details nichts Neues für mich. Die Person aber auf der Bühne zu sehen, wie sie sich verhält und präsentiert, ist immer noch mal eine andere Erfahrung. Ganz besonders bei Doctorow. Seine Präsentation hat Wucht. Bekannt für den Begriff Enshitification ist er wieder nach Berlin gekommen, um der Message Nachdruck zu verleihen. Seine Folien im Hintergrund laufen einfach durch. Kollagen aus historischen Gemälden, Tech-Bros und Memes, die mich immer wieder überraschen, aber kryptisch bleiben. Mir wird klar: Es geht um Endorphine. Wir bleiben dran und hören fast eine Stunde zu.

Neues Lerne ich nur wenig. Das ist aber nicht Doctorows Schuld. Warum ich dennoch sitzenbleibe? Es ist für mich immer wieder faszinierend jene Menschen leibhaftig zu sehen, die Impact haben. Ich schaue zu und hoffe erkennen zu können, was ihnen diese Fähigkeit gibt.

YouTube →

Enshitification ist übrigens die Steilvorlage gewesen, das, was ich mache, als Debullshitifizierung zu bezeichnen. Ich debullshitifiziere Tech. Was bedeutet das konkret? Ich nehme ein Thema, durchdringe es komplett und stelle es so dar, damit Menschen den Hype verstehen, Marketing-Bullshit entlarven und als Demokraten bessere Entscheidungen treffen können.

17.30 Uhr – Social Media als kritische Infrastruktur – warum Europas Demokratie eigene Netzwerke braucht

In diesen Programmpunkt setze ich mich, weil ich hoffe, Einblicke in Eurosky zu bekommen, einer europäischen Instanz von BlueSky. Und BlueSky ist eine der vielen Social-Media-Hoffnungen, die nach der Übernahme Twitters durch Elon Musk entstanden sind.

Auf der Bühne: Sebastian Vogelsang, ein erfahrener Entwickler, der unter anderem ein Instagram für BlueSky entwickelt. Er schafft es ein wenig die Schärfe aus meiner Kritik zu nehmen. Die Kritik: Das AT Proto Protokoll müsste gemieden werden, weil es neue Probleme bringt, die wir mit dem Fediverse schon gelöst haben. Einen Kritikpunkt kann ich in der Fragerunde stellen und ist on tape: Was will man dagegen tun, dass man keinen Einfluss auf die Weiterentwicklung des Protokolls hat? Sie versuchen sich in den Standardisierungsprozess mit einzuklinken.

Wie denke ich heute darüber? EuroSky versucht sein Glück eine europäische Alternative zu entwickeln. Das respektiere ich. Wir sind noch nicht da, wo wir sein müssten. Es ist ein Prozess. Den beobachte ich und drücke die Daumen, dass sie die noch offenen Stellen im Laufe der Zeit ausräumen können. Der Versuch ist es wert. Ich habe zwar einen BlueSky-Account. Mastodon bleibt dennoch mein Hauptkanal. Im Moment bin ich noch der Überzeugung: Am Ende landen wir sowieso alle im Fediverse.

YouTube →

18.00 Uhr – Anna-Verena Nosthoff: Der kybernetische Autoritarismus der Tech Bros

Ein Buch, dass mich dieses Jahr von den Socken gehauen hat, ist „Kybernetik und Kritik“ von Anna-Verena Nosthoff (Suhrkamp →). Die Wissenschaftlerin und Junior Professorin an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg landete mit ihrer Dissertation 2024 einen Volltreffer. Dass ihre Dissertation als Taschenbuch im Februar 2026 veröffentlicht wird, unterstreicht die Wichtigkeit ihrer Arbeit.

Worin besteht die Leistung dieses Buches? Soweit ich das durchdrungen habe, fasst sie sehr gut zusammen, welchen Einfluss die Kybernetik auf das Silicon Valley hatte und inwiefern sie fundamental ist die Tech-Industrie zu verstehen.

Kybernetik – Cyber. Damit assoziierte ich vor allem natürlich den Cyberspace. Und der Begriff ist Teil meiner Biographie und dessen, was für mich mal das Netz war. Gerade als „Metaverse-Berichterstatter“ bei Spatial Realities ist der Cyberspace nicht unwichtig. Ich hatte es aber abgehakt und eigentlich nicht viel von der Kybernetik an sich gewusst. Nosthoffs Arbeit schafft es also eine meiner Wissenslücken zu schließen. Das tut sie auf die beste aller Arten: Wissenschaftlich, strukturiert, fundiert. Soweit ich das als jemand, der nie zu dem Thema gearbeitet hat, aber eine gewisse Intuition aufgebaut hat, beurteilen kann.

Das Buch arbeite ich gerade noch durch, denn es ist nicht dünn. Und mir fehlt nicht selten das wissenschaftliche Hintergrundwissen, auf das sie zugreift. Die Aufzeichnung ihres Talks ist ein gutes Appetithäppchen. Ihr Vortrag der Versuch die wichtigsten Aspekte eines sehr umfassenden Themas in 30 Minuten zu packen. Anschaubefehl für alle, die die Broligarchie verstehen wollen, abseits von Takes und Marketing-Trotteleien.

YouTube →

19.00 Uhr – Mythos Bloggosphäre – Wie war es damals wirklich?

Jeder Beitrag zur Bloggosphäre ist aktuell ein guter Beitrag. Denn ich bin der Überzeugung, dass Blogs wieder viel wichtiger sein sollten in der Medienlandschaft, im Medienkonsummix. Alexander Matzkeit hat zum Meetup geladen. Die Aufgabe: Zeigen, dass es einen Mythos Bloggosphäre gibt. Ich war überrascht festzustellen, dass er seine These nicht zuvor überprüft hat. Das wäre die Aufgabe seiner Vorbereitung gewesen. Denn es passierte das: Die eingeladenen Alt-Blogger:innen ließen den Mythos abprallen. Das ist zwar auch ein Ergebnis. Und es war nett Blogger:innen zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Aber das ist natürlich schade für das eigentliche Thema.

Da es ein Meetup war, gibt es keine Aufzeichnung. Die eigene Analyse von Alexander lest ihr hier: Real Virtuality: “Mythos Blogosphäre” auf der re:publica 2026 →


Am Abend: Rumalbern mit den Hakis und ein Chor-Konzert bei Bierchen und Plauderei.

Das war Tag 1. Oben sprach ich noch von der Energie-Challenge bis Tag 3 durchzuhalten. Ich sags mal so: Tag 1 war mühelos. Das floss ganz wunderbar dahin, war voller spannender Themen und Begegnungen. Ich hatte Energie bis in den späten Abend. Die folgenden zwei Tage sehen dann schon etwas anders aus.

Tag 2

11.15 Uhr – Meet Up re:publica x NRW

Schon letztes Jahr fand erstmals eine Kleinst-re:publica in Düsseldorf statt, in Kooperation mit dem New Fall Festival. Dieses Meetup auf der diesjährigen re:publica war dafür da, eine Weiterführung dieser Ausgabe anzukündigen und darüber ins Gespräch zu kommen.

Über eine rp in NRW kann man sich in NRW nur freuen. Denn die rp in Düsseldorf wird kostenlos sein und Freitag und Samstag stattfinden. Es gibt quasi kaum eine Ausrede mehr nicht vorbeizuschauen, wenn die Themen euch interessieren. Damit das passiert, könnt ihr auch selbst einreichen. Ich war letztes Jahr Freitags da und fand es sehr gut. Es ist natürlich sehr viel kleiner. Aber es waren spannende Vorträge und gute Leute da zum Austauschen. Vielleicht ist das noch ein Geheimtipp für alle, die rp-Vibes haben wollen, aber von der schieren Größe der rp mittlerweile erschlagen sind. Was verständlich ist. Es gibt übrigens noch eine rp in Hamburg und in Wien.

So wars beim letzten Mal: „Das war die re:publica x New Fall Festival“ →

Als Speaker kann man in die Speakerlounge. Mittagessen. Im Mittagstief setzte ich mich vor die Podcast-Kapsel und hörte noch mal Cory Doctorow zu, wie er Fragen des Kollegen von der Zeit beantwortete.

13.45 Uhr – Meetup with The Citizens

Ein Meetup initiiert von The Citizens →. Es waren fast ausschließlich Kolleginnen da, die viel internationale Erfahrung mitbrachten. Ich hockte mich auf den Boden, hörte zu und sagte nichts.

The Citizens ist eine gemeinnützige Organisation, die ihren Ursprung in Groß Britannien hat. Gegründet wurde sie von Carole Cadwalladr. Wenn Cory Doctorow den Begriff Enshittification erfunden hat, war sie es, der wir für den Begriff Broligarchie danken müssen. Sie ist außerdem eine der fünf Gründerinnen von The Nerve →, einem Beispiel neuem unabhängigen Journalismuses in GB. Das Team war zuvor für die Story rund um den Cambridge Analytica-Skandal verantwortlich. Sie gehört also zu den internationalen Top-Journalistinnen.

Was ich vor allem mitgenommen habe: Es lohnt sich, sich öfters mit Medienprojekten in anderen Ländern zu beschäftigen. Ich fand es super inspirierend.

Wer hat Lust ein neues Tech-Magazin für Deutschland aufzusetzen? 😉

Checkt unbedingt ihr Gespräch mit Geraldine De Bastion aus: How to never give up: Investigating (and surviving) techno-authoritarianism →

16.30 Uhr – Das Bloggertreffen: „Hoffnung Bloggen“

Dieses Meetup hatte ich selbst organisiert. Wie schon im letzten Jahr habe ich aufgerufen und eingeladen. Und da ich nicht viel vorbereiten wollte, habe ich einfach das Motto des letzten BarCamps genommen: Hoffnung Bloggen! Aktuell war es noch immer.

Das Setup war: Wir, das bloggende Volk, kommen zusammen und tauschen uns aus. Und da es der zweite Tag war und mich dann doch so langsam die Kondition verließ, tat ich nichts anderes als einzuführen, um was es bei diesem Thema geht. Nämlich um die Frage: Können wir eigentlich hoffen, dass es mal wieder besser wird mit diesen modernen Medien? Kann uns Bloggen dabei helfen?

Was kam überraschte mich. Die Runde war voll besetzt vorne im Meet Up 2 Bereich, gleich am Eingang in das Hauptgebäude. Und die Runde erzählte einfach von ihren Blogs und wie viel Spaß sie noch dabei hatten. Da gab es den Alt-Blogger, der davon schwärmt wie viel Traffic er einfach so auf seine alten Posts bekommt, und der Neu-Blogger, und sogar jemand, der sich überlegt sich mit dem Bloggen selbstständig zu machen. Und nach gut 45 Minuten merkte ich, wie ich wieder voller Hoffnung war.

Das war ein bisschen so wie mit seinem Kind zu sprechen. Am Ende hast du Hoffnung. Ich habe mich der Community einfach geöffnet, ein Thema in den Raum gestellt, und sie hatte uns verarztet. Ich nehme mit: Wir bleiben dabei und machen das, worauf wir Lust haben. Wir schreiben nach Lust und Laune.

18.00 Uhr – just setting up my twittr

Stellt euch vor, wir könnten das Twitter von 2007 zurückhaben. Unter dieser Prämisse setzte sich Jan Kus, Geschäftsführer von Railslove und Softwareentwickler an einem Wochenende hin, und vibecodete einfach mal genau dieses Twitter, nannte es twittr und stellte es online.

Was dann passierte war interessant: Es meldeten sich tatsächlich Leute an, die genau so fühlten, also die die gute alte Internet-2.0-Zeit zurückhaben wollten und feierten die Wiedergeburt einer Legende.

Es schlug Kreise. Twitter-Urgesteine meldeten sich an. Haken Dran berichtete. Es war lustig, es war schön. Ein paar Tausend Leute waren wieder da. Und es gab eine unalgorithmische, rohe Timeline, die sich wirklich wieder ein bisschen wie damals anfühlte.

Dann kam aber doch recht bald die Frage: Was machen wir jetzt damit? Diese Frage stellte sich vor allem Jan, der dann auch plötzlich die erste Anfrage hatte nach DSGVO all seine Daten zu löschen. Das war natürlich nicht im Vibe-Code vorgesehen. Und die Arbeit begann für ihn.

Jan berichtete bei dieser Session genau über diese Journey, zeigte auf, wie aufwändig es ist, eine solche Plattform zu bauen, und welche Verantwortung man dann am Ende damit hat. Beispiel: Der Name. Eigentlich rechtlich echt nicht unproblematisch. Um Schreiben von Elons Anwälten zu vermeiden wurde die Seite kurz mal in Chrrp umbenannt. Auch kein schlechter Name.

Und obwohl das nur ein Aprilscherz hätte sein sollen, ging es munter weiter. Es gab Challenges, um mehr Leute ranzuholen, 10.000 Tweets wurden abgefeuert. Und plötzlich steht Jan auf der Bühne und muss ankündigen wie es weitergeht.

Er entscheidet sich die Seite weiterzuführen, erst mal. Am Abend zuvor fragte er mich beim Bierchen im Hof noch: Thomas, was soll ich tun? Ich hatte ihm empfohlen die Seite einzustellen, aber den Moment zu nutzen, um den Leuten klarzumachen, wie wichtig der Support aus der Community ist und dass sie sich für eine der bestehenden Plattformen entscheiden sollen: Bluesky oder das Fediverse. Als Demokrat:innen.

Chrrp gibt es bis heute immer noch. Und das es das gibt ist OK. Sie ist nicht das nächste große Ding, das macht aber auch nichts. Es ist für ein paar Menschen die digitale Heimat, die ihnen damals genommen wurde. Ich mag das. Aber wenn es um die Zukunft geht, spielt diese Community nur insofern eine Rolle, als das sie zeigt, dass sie da sein darf. Sie muss gar nicht das nächste große Ding sein. So wie das Bloggen, darf sie klein sein und bleiben. Denn vielleicht war das das Problem, das Twitter von Anfang an hatte: Der zwanghafte Versuch riesig werden zu müssen. Weil Kapitalismus. Das hat es am Ende vielleicht kaputt gemacht.

Nach dem Vortrag von Jan ging es wieder zurück zum Meet Up 2 Bereich, wo es eine Runde Bier auf Kosten von Jan gab. Das war gut. Sogar Tim Pritlove war da. Podcasterfanboymomentchen. Dafür liebe ich die re:publica.

Es ging weiter zum Griechen. Wer davon noch immer nichts gehört hat: Jedes Jahr organisiert Thorsten Ising, Medienberater aus dem schönen Bielefeld, am zweiten Tag der re:publica ein informelles Treffen für Menschen aus NRW. Das findet beim Griechen statt, der Taverna Athene. Das Essen ist toll, der Gastgeber ein Herz und es fließen Flüsse aus Ouzo. Hat jemand noch Eis? Wir müssen noch Eis bestellen!

Dieses mal schaute auch Thomas Knüwer vorbei. Als jemand, der jetzt offiziell rp-Chefetage ist, eine schöne Sache. Er lobte unsere Zusammenkunft.

Tag 3

An Tag 3 wirkt der Ouzo. Ich entscheide mich bis zum Mittag im Hotel zu bleiben und Emails zu machen. Ich arbeite auch noch ein wenig an meiner Präsentation meines Vortrags über humanoide Roboter.

12.30 Uhr – Uhr Meet and Greet mit dem Zentrum für Digitalrechte und Demokratie

Markus Beckedahl gründete im Frühjahr 2025 das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie. Dem voraus ging der Abschied von Netzpolitik.org, dessen Gründer und Chefredakteur er viele Jahre war. Was Markus hier Zentrum nennt, soll unteranderem ein Gegengewicht zu den BigTech-Lobbyisten in Berlin sein. Finanziert durch Campact und Spenden aus der Community wächst das Team und das was das ZfDuD so anstellt.

Um dafür mal ein Gefühl zu bekommen, habe ich ihr Meet und Greet besucht. Als Leser des Newsletters und als jemand, der verfolgt, was Markus so macht, gab es keine Überraschungen. Es war aber schön auch mal das Team hinter Markus zu sehen. Das sind nicht einfach nur Leute, die den Papierkram für ihn machen, sondern selbst engagierte Netzaktivisti. Das NGO ist übrigens im Lobbyverzeichnis des Deutschen Bundestages zu finden.

13.00 Uhr – Memefication & Imitation: Was machen TikTok & Co. mit der Öffentlichkeit?

Kurz mal beim Fussballlinguisten Simon Meyer-Vieracker reingeschaut. Er ist ein TikTok-Phänomen, den ich auf Instagram entdeckt und seine Videos lieben gelernt habe. Warum? Sprache fließt. Und er erklärt das auf wissenschaftlichem Level. Aber gleichzeitig so, wie TikTok es von ihm verlangt, damit es möglichst viele sehen.

Schön auch, dass der Typ in der ersten Reihe saß, der auf Instagram dafür Werbung macht, dass alle nach Tübingen sollen, um Linguistik zu studieren. Ich habe vier Semester Linguistik in Tübingen studiert. Ich fühle das alles sehr.

Um was ging es eigentlich inhaltlich? Ich habe keine Ahnung mehr. Aber ihr könnt ja ins YouTube-Video schauen, es war unterhaltsam:

YouTube →

16.15 Uhr – Ist das sicher oder kann das weg? Workshop

Ein sehr eindrücklicher Workshop → von zwei Mitarbeitenden der Bundesnetzagentur, bei dem mir klar wird: Wir sind lost. Die schiere Flut an Geräten kann aktuell überhaupt gar nicht effektiv überprüft werden, weswegen es wie bei der Triage im Krankenhaus zugeht: Man macht halt was geht und freut sich über Hinweise.

Lehrreich, um zu verstehen, wie wir gegen Windmühlen arbeiten, was die Sicherheit in der IT angeht. Die Privathaushalte werden von Kram überschwemmt, der da eigentlich wirklich nichts zu suchen hat. Eine Frage, die ich stellte: Wie gehen sie mit der Flut an humanoiden Robotern um, wenn sie denn mal losgeht? Ich brauche nicht zu erwähnen, dass das noch keine Rolle spielt. Das Thema haben sie jetzt aber im Hinterkopf.

17.30 Uhr – Science Fiction oder schon morgen? Wann humanoide Roboter unseren Haushalt übernehmen

Mein eigener Vortrag zum Thema Humanoide Roboter. Die Prämisse: Humanoide Roboter für das Zuhause stehen uns unmittelbar bevor. Sie sind keine Fantasy mehr. Sie werden bereits zu Hunderttausenden in diesem Jahr und millionenfach im kommenden Jahr produziert. Sie funktionieren so weit, dass sie anfangen wirklich nützlich zu sein. Natürlich auch Dank Generativer Künstlicher Intelligenz. Roboter lernen nicht mehr durch aufwändiges Machine Learning und Scripting. Sondern durch Zeigen, Nachmachen und Üben.

Was bedeutet das für uns als demokratische Gesellschaften? Was bedeutet das für die digitale und territoriale Souveränität? Wo sind Humanoide in der Regulations-Landschaft zu verorten?

Danke an Mika Baumeister → für die sehr gelungenen Fotos!

YouTube →


Die letzte Frage beantwortet, schnell noch ein Selfie mit dem Greenpeace Faultier. Schon auf dem Weg zum Gepäck. Dann Straßenbahn, Berlin Hauptbahnhof, ICE. Die Bahn ist mörderisch voll. Noise Canceling Kopfhörer. 5 Stunden später zurück in Köln.

Wochen später, da ich diesen letzten Absatz schreibe, fällt es mir schwer die rp26 in ein paar knackige Worte zu packen. Der Titel ein Provisorium. Klar ist: Es war jede Sekunde wert. Ich freue mich auf Düsseldorf.


re:publica Nachbesprechungen:

Alle Aufzeichnungen der re:publica findet ihr auf YouTube →
Alle Fotos der re:publica findet ihr auf flickr →

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.